Donnerstag, 27. Oktober 2016

Rückblick auf die Lesung von Katja Kipping

Katja Kipping las bei uns aus ihrem Buch "Wer flüchtet schon freiwillig". Und es war ganz wohltuend zwischen "Refugees welcome", Bahnhofsgeklatsche, "Wir schaffen das", besorgten Bürgern und "Ausländer raus" mal fundiert und vernünftig über das Thema informiert zu werden, mitzureden und eben sich auch mal über Risiken und Möglichkeiten der Thematik auszutauschen.

Unter anderem sprach sie Probleme an, die bereits vor dem Eintreffen der ersten Flüchtlinge auftraten, aber erst jetzt wirklich ins Bewußtsein der breiten Öffentlichkeit gelangen, wie zum Beispiel die Privatisierung und den Ausverkauf von Immobilien aus öffentlicher Hand; Lehrer-, Polizisten-, und Ärztemangel usw.

Auch über Flüchtlingsursachen wurde gesprochen. In erster Linie natürlich über die Verschärfung in Krisenregionen durch anhaltende Waffenlieferungen, woran auch die deutsche Regierung und die deutsche Wirtschaft nicht unbeteiligt sind.

Und dann die Fluchtursache Freihandel. Speziell führte sie das Beispiel eines afrikanischen Tomatenbauern an, der sein Geschäft und seine Felder aufgeben mußte, weil der dortige Markt von subvenionierten Dosentomaten aus Europa überflutet wird. (Natürlich erwähnte sie auch den ökologischen Irrsinn, frische Ware nicht zu verkaufen, dafür aber den Transport über weite Strecken in Blechdosen...)
Weiter natürlich Landgrabbing, Überfischung und so weiter, alles Dinge, die Freihandelsabkommen mit Europa und Amerika möglich gemacht bzw. verschlimmert haben.

Das Buch habe ich noch nicht gelesen, doch der kleine Einblick war schon sehr interessant und lohnenswert.

Freitag, 21. Oktober 2016

Killerclowns - was soll dran witzig sein?

Seit Wochen hört man immer wieder von diesen sogenannten "Killer-Clowns". Leute, die sich in gruslige Clownskostüme hüllen und Passanten erschrecken oder ernsthaft verletzen. Selbst zu sexuellen Übergriffen ist es schon gekommen.
Und es gibt tatsächlich noch Leute, die das als "witzig" empfinden.
Alles klar, wenn ich mich in ein albernes Kostüm hülle, sind Verbrechen, die ich begehe, also nicht mehr strafbar, sondern lustig.

Angefangen hat alles mit einer südamerikanischen Fernsehshow. Leute wurden mit gestellten Szenen, die Horrorfilmen nachempfunden waren, vor versteckter Kamera zu Tode erschreckt. Nicht selten brachen dabei Menschen weinend zusammen, zum Vergnügen des Publikums.
Allein diese Art der Unterhaltung finde ich schon sehr fragwürdig und überlege mir, was für Menschen wohl Spaß an der Angst und dem Leiden anderer empfinden.

Die Horrorclowns waren dabei besonders beliebt. Man hört immer wieder, daß sie Stephen Kings "Es" nachempfunden wären, schaut man sich aber die Videos auf youtube an, denkt man da eher an den Trashfilm "Killer Clowns from outer Space" von 1988.
Zwar mag ich Trashfilme und gestehe, daß mich auch explizite Gewaltszenen in Filmen nicht stören. "Hobo with a shotgun" ist einer meiner Lieblingsfilme. Doch dieses Machwerk war nicht mal wirklich lustig, sondern einfach nur eine sinnlose Abfolge von Grausamkeiten.

Nun waren viele Zuschauer dieser Werke der Überzeugung, daß es so lustig wäre, daß man das nachmachen müsste. Nach den geschmacklosen "Scherzen" kam es auch schnell zu den ersten ernsthaften Gewaltakten, vor allem gegen Jugendliche. Und diese Welle breitete sich immer weiter aus. Und immer noch gibt es Stimmen im Netz, die das ganze als amüsant empfinden.

Ganz offen, wie feige, erbärmlich und jämmerlich muß man sein, sich stark zu fühlen, indem man andere verängstigt oder verletzt?
Und wie gestört und empathielos muß man sein, das ganze noch erheiternd zu finden?
sollte mir einer dieser Clowns über den Weg laufen, werde ich mich mit maximaler Gewalt zur Wehr setzen und hoffe, daß das auch viele andere tun werden.

Samstag, 15. Oktober 2016

Gedicht: Orca, der Killerwal

Zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich es geschafft, etwas Neues zu Papier zu bringen.
Diese Woche habe ich mir mal wieder "Orca, Der Killerwal" angesehen. Ein Film, nach dem ich Tage später immer noch weinend aufwache. Natürlich wollte ich dieses bewegende Meisterwerk mit einer kleinen Hommage ehren.
Vor kurzem war ich endlich mal wieder bei einem Konzert von GOETHES ERBEN.
Etwas, das mich immer sehr beeinflusst. In den Wochen nach einem solchen Konzert habe ich beim Schreiben immer die Stimme Oswald Henkes im Kopf.
Deshalb entschuldige ich mich, wenn dieser kleine Text den Eindruck erweckt, jemanden kopieren zu wollen, das geschieht nicht mit Absicht.

ORCA, DER KILLERWAL

Ist der Mensch wirklich die Krone der Schöpfung?
Die Schiffsschraube reißt Fleisch auf wie Papier
Ein ungeborenes Kind fällt aus dem Leib der Mutter und wird fortgespült
Der Vater bleibt zurück

Menschen sterben oder werden verstümmelt
Boote versinken
und eine ganze Stadt brennt im Feuerschein erbarmungsloser Rache

Offen bleibt nur der Weg in den Norden
wo auf den Mörder und seinen Rächer nichts als ein kaltes nasses Grab wartet



Donnerstag, 13. Oktober 2016

Rezension: Orca, der Killerwal

Sergio Leone wollte vom Genre Western weg. Gelungen ist ihm das mit diesem Film nicht wirklich. Sicher, auf den ersten Blick hat dieses zu Unrecht vergessene und oft unterschätzte Werk nicht viel mit einem Western zu tun.
Doch die Handlung - Ein einsamer Rächer, der sich die Mörder seiner Familie einen nach dem anderen vornimmt, bis er am Ende den Anführer, seinen wirklichen Feind, zu einem unbarmherzigem Duell zwingen kann - ist ein typisches Westernszenario.

Mit "Die Vögel" löste Alfred Hitchock eine ganze Welle von Tier-Horrorfilmen aus, die in den 70ern ihren größten Boom hatte. Tiere wählten entgegen ihrer arttypischen Verhaltensweisen Menschen als Beute oder griffen sie gar ohne erkennbaren Grund an. "Der weiße Hai" ist eins der bekanntesten Beispiele. Auf den ersten Blick folgt "Orca" diesem Trend, doch so einfach macht es Leone weder sich noch seinem Publikum.
Statt dessen kehrt er das Monster-Opfer-Schema um.  Nicht die Aggression des Wals, sondern die Brutalität Nolans löst die Katastrophe aus. Selbst zuletzt, als Nolan über sich selbst reflektiert, sagt er "Was habe ich getan? Drei Menschen tot, ein junges Mädchen verstümmelt..." Über die Familie, die er ermordet hat, verschwendet er nicht einen Gedanken.
Eine gnadenlose Parabel über den Umgang mit anderen Spezies.

Die hoffnungslose Atmosphäre, die Zuspitzung zu dem unausweichlichen letzten Aufeinandertreffen, dazu die wunderschöne und melancholische Musik von Ennio Morricone machen "Orca, der Killerwal" zu einem der traurigsten und deprimierendsten Filme, die je gedreht wurden.
Der Selbstmord des Wals am Ende treibt das noch auf die Spitze.

Kein Film für einen unterhaltsamen Videoabend, sondern ein schwermütiges ernstes Rachedrama.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Rezension: "Batman: Anarchie"

Im ersten Teil des Buches erleben wir Batman ungewohnt verletzlich. Bei einem Flugzeugabsturz in Gotham wird ein tödlicher Virus freigesetzt. Batman bleiben acht Stunden, um die Menschen im Flughafen zu retten. Dabei hat er sich selbst als Erster infiziert und wird zusehends schwächer.

Wie in dem Namensgeber des Buches bekommen wir hier einen Gegner zu sehen, dessen Motive wohl verständlich und nachvollziehbar sind, dessen Methoden aber über das Ziel hinaus schießen.
Dafür wird Dick Grayson, der ehemalige Robin,  um einiges düsterer und härter gezeigt. Wenn man bedenkt, daß er einst einen fröhlichen Gegenpol zu Batman darstellen sollte, eine unerwartete Entwicklung.


Im zweiten Teil kommt Anarky nach Gotham zurück und legt die Computersysteme der ganzen Stadt lahm. Ungewöhnlich für ihn ist, daß er beim Angriff auf den Wayne Tower auch das Leben unschuldiger Menschen gefährdet.Und was hat der Mad Hatter damit zu tun?

Zwar ein Gegner Batmans, war Anarky doch ein wichtiger Beschützer Gothams. Doch das war vor Flashback und New 52. Hier erleben wir einen gewissenlosen Kriminellen, der seine vorgeschobenen Ideale für einen teuflischen Plan mißbraucht. Doch es gibt erste Anzeichen, daß der gewohnte Anarky vielleicht bald wieder zu sehen sein wird.
Alfred zeigt sich sehr besorgt um Bruce und versucht, zu verhindern, daß er völlig verbittert und fanatisch wird. Ein Seitenhieb auf den gefühllosen Batman der Prä-Flashback-Zeit.

Ein knallhartes Buch, wie ein Superheldencomic sein sollte, aber auch ein menschlicherer Batman als man in den letzten Jahren gewohnt war.