Samstag, 20. August 2016

Rentner schuld an schlechten Straßen?

N24 veröffentlichte einen Bericht, wonach das Sozialsystem für ältere Menschen Schuld sei, daß kein Geld für Straßenbau, Schulen etc zur Verfügung stünde.
HIER kann der Artikel angesehen werden.

Meine Reaktion war wieder mal eine wütende Mail an die Redaktion:




Werte Damen und Herren

Ich beziehe mich auf Ihren Beitrag „Deutschlands Rentner machen unsere Straßen kaputt“.
Erstens mal sind diese Rentner unsere Eltern und Großeltern, die uns in die Welt gesetzt haben, uns aus den Windeln geholt haben, die neben unseren Betten saßen, wenn wir krank waren, die uns abends vorgelesen haben, die uns die Welt gezeigt haben, die uns unsere Bildung ermöglicht haben und bei den Hausaufgaben neben uns saßen.

Natürlich haben sie ein Recht darauf, ihr Geld für sich zu verlangen. Sie haben ein Leben lang hart und schwer genug dafür gearbeitet. Und das steht ihnen zu. Wenn man dann noch bedenkt, wie gering die Renten sind, die sie teilweise bekommen, ist dieser Bericht an Zynismus nicht mehr zu überbieten.

Wir haben nicht nur keine Zukunft, wir haben auch kein Recht auf eine Zukunft, wenn wir die Rechte der Menschen ignorieren oder herab senken, die uns die Zukunft ermöglicht haben.

Es fehlt Geld, weil die Rentner ihr Geld für sich wollen?
Fragen wir mal nach, wie hoch der Militäretat hierzulande ist, fragen wir mal, wo das Geld geblieben ist, das den Banken von Frau Merkel einfach so geschenkt wurde, als sie das Geld der Sparer veruntreut hatten. Fragen wir mal nach, wieviel die völlig verantwortlungslosen und abartigen Überwachungssysteme kosten, die unsere Regierung fordert und einsetzt.

Und dann wage es noch mal jemand, die Schuld bei den Rentnern zu suchen, daß Geld für notwendige Maßnahmen fehlt.

Diese Nachricht ist lediglich zur Kentnissnahme, von einer Antwort bitte ich abzusehen.
Denn das Recht, mit mir in Kontakt zu treten, haben Sie mit der Veröffentlichung dieses Artikels auf Lebenszeit verwirkt.

Ich hoffe von ganzen Herzen, daß Sie, sobald Sie alt sind, auf der Straße sitzen und ohne medizinische Versorgung von Wasser und Brot leben müssen.

Mit angewiderten Grüßen

Michael Sonntag

Donnerstag, 18. August 2016

Rückblick auf die Lesung "Happy End im Kettenhemd"

Der Termin war mehr als ungünstig gewählt. In Zwickau spielten Letzte Instanz und ich hatte mich darauf gefreut. Das passiert, wenn man seine Termine nicht im Blick behält.

Aber die Lesung von Sina Blackwood war eine faire Entschädigung.

Ganz stilecht in Kettenhemd und Rüstungsteilen entführte sie in ganz eigene mittelalterliche Fantasiewelten.

In Gedichten und Geschichten schleuderte sie mit viel Charme und Humor kleine Frivolitäten, erotischen Nonsens und deftige Unverschämtheiten um sich, die wirklich jeden zum Schmunzeln bringen müssen.

Wenn man Literatur und Musik in ein Verhältnis setzen könnte, würde man wohl sofort an ein Konzert von Feuerschwanz denken und läge wohl gar nicht so daneben damit.

Gerade in der Ruine war die Autorin gut aufgehoben. Mit ihrem Kettenhemd bei Kerzenschein und vor der alten Fachwerkwand, erzeugte sie genau die Stimmung, die zu ihren Geschichten passte.

Für Lesungen gebucht werden kann sie unter ihrer Homepage http://www.reni-dammrich-geschichtenzauber.de/, und das ist wirklich empfehlenswert.

Hier gibt es ein paar Fotos der Lesung

Montag, 15. August 2016

Probleme mit der Sicherheit

In einer Diskussion, in der ich mich gegen die Spionage als solche ausgesprochen habe, wurde mir vorgehalten, ich hätte ein Problem mit der Sicherheit.

Und ja, ich habe ein Problem mit dem Konzept Sicherheit.
Es gibt Gründe, warum ich in Ruinen fotografiere, die andere Urbexer nicht mehr betreten, warum ich früher oft bei Gewitter schwimmen gegangen bin, warum ich bei jeder Gelegenheit ohne Sicherheitsgurt fahre.
Weil ich nicht sicher leben will!

Nein, ich bin nicht lebensmüde.
Aber ich will selbst über mein Leben entscheiden.
Fahre ich zum Beispiel ohne Sicherheitsgurt, kann es passieren, daß ich Strafe zahlen muß. Mit welchem Recht denn? Ich gefährde niemanden außer mir selbst. Wer außer mir soll ein Recht haben, darüber zu entscheiden?

Bis ich 16 war, hat sich ständig jemand um mich gesorgt und mich zur Sicherheit gegängelt. Irgendwann muß Schluß sein.

Ich gebe sogar viel Geld dafür aus, um so unsicher wie möglich zu leben.

Der Mensch ist nicht geschaffen, um in Sicherheit zu leben. Die Gefahr, das Risiko, waren einige der wichtigsten Faktoren, die unsere Entwicklung gefördert haben. Diese Instinkte sind nach wie vor da. Sicherheit macht träge, inaktiv, langweilig. Das ist kein Leben.

Wenn ich nur einen Wunsch offen hätte, solle es dieser sein: Ich will nie wieder sicher sein!

Rezension: Django - Ein Sarg voll Rache (Hörspiel)

Der Bandit Parker hat ein kleines Städtchen an der texanisch-mexikanischen Grenze in seiner Gewalt. Bis der Rächer Django mit einem Sarg im Gepäck auftaucht und anfängt, Parkers Handlanger der Reihe nach aus dem Weg zu räumen.

Das Hörspiel orientiert sich zwar sehr an dem Originalfilm mit Franko Nero, doch wer eine getreue Nacherzählung des Films erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht.
Die Mexikaner, die mit Parker konkurierten, kommen gar nicht vor, statt Djangos Frau hat Parker in dieser Fassung Djangos Vater ermordet und einer der Höhepunkte des Films, das Maschinengewehr im Sarg, wird hier bis zum Ende, bei der Schiesserei auf dem Friedhof, aufgehoben.

Wenn man den Film ausblendet und das Hörspiel als eigenständiges Werk betrachtet, hört man einen handfesten, guten klassischen Western. Zwar auch was die Härte betrifft um einiges harmloser als die Vorlage, doch auch nicht unbedingt ein braves Werk für Kinder.

HIER kann man sich das Hörspiel anhören

Sonntag, 14. August 2016

Rezension: "Batman: The Killing Joke"

Der Comicthriller "The Killing Joke" war ein Höhepunkt für die Comicreihe. Die Entstehungsgeschichte des Jokers wurde geklärt und mit dem Ende Batgirls und Barbara Gordons Neuanfang als Oracle Batmans komplette Welt neu geordnet.
Als Vorlage für einen Film war dieses Werk wie geschaffen.

Wieder einmal bricht der Joker aus. Diesmal ist James Gordon sein Ziel. Bzw. der Glaube an das Gesetz an sich. Mit dem Versuch, Gordon in den Wahnsinn zu treiben will er beweisen, daß ein Trauma, wenn es nur groß genug ist, jeden in einen Wahnsinnigen wie ihn selbst verwandeln kann. Ein pervertierter Zirkus erscheint ihm genau das Richtige, und Barbara Gordon ist für ihn nur ein Bauernopfer.

Wie der Comic ist der Film eine perfekte Mischung aus harter Action und einem tiefdringendem Psychothriller. Die Beziehung von Batman und Batgirl zeigt einen menschlicheren Batman. Genau die Menschlichkeit, die er abgelegt hat, weil sie ihn verwundbar macht. Barbaras Schicksal zeigt auf grauenhafte Weise, welchen Preis Bruce Wayne zahlen muß, um Batman zu sein. Hier wird der Grundstein für einen unnahbaren, nur noch eiskalt funktionierenden Batman gelegt, wie er in den folgenden Jahren in den Comics erscheinen sollte.

 Anders der Joker. Zum ersten Mal bekommt die brutale, gewissenlose Mordmaschine humane Züge und man hat durchaus Mitleid mit dem Mann, der später zum Monster werden soll.
Auch in der Szene, in der Batman ihn stellt, hat er einen klaren Moment. Doch ihm wird bewußt, daß das, was er alles getan hat, nie wieder gut zu machen ist und ihm nur noch der Wahnsinn bleibt.

Die Animationsfilme um die die Superhelden sind weitaus besser gelungen, als die Realverfilmungen der letzten Jahre. (Und dies trifft auf DC ebenso wie auf Marvel zu).
Der Grund dafür ist relativ einfach: Die Macher der Animationsfilme richten sich direkt an die Fans, während die Macher der Realfilme Rücksicht auf das größere, aber weniger an den Vorlagen interessierte Kinopublikum nehmen müssen. So ist es natürlich möglich, daß die Animationsfilme viel mehr Inhalt statt nur Action und platte Gags transportieren können.